WIENERIN (79) ZOG IN WG: "WOLLTE NICHT INS ALTERSHEIM"

Wie lebt es sich mit 70 oder über 80 Jahren eigentlich noch in einer WG? Eine Wienerin erzählt, warum sie nach Unfall in eine Wohngemeinschaft zog.

Eine Wohngemeinschaft ist nicht nur etwas für Junge. Ein Blick in die WG am Helene-Thimig-Weg in Wien-Liesing verrät – hier wird es nicht so schnell langweilig: Gemeinsam wird gekocht, geplaudert und Feste gefeiert. Doch es handelt sich um keine gewöhnliche Wohngemeinschaft von Studenten oder jungen Menschen, wie man sie üblicherweise kennt.

In Wien-Liesing erleben und gestalten Christine Katzler (79), Karl Schmid (84), Edeltraud Schieder (82) und Rosemarie Hager (76) gemeinsam ihren Alltag in einer von insgesamt fünf Senioren-WGs des Arbeiter-Samariter-Bundes.

"Als ich vor ein paar Jahren einen Unfall und infolgedessen einen Oberschenkelbruch hatte, konnte ich keine Gartenarbeit mehr verrichten und Treppensteigen war für kurze Zeit unmöglich. Ich habe schnell gemerkt, ich möchte nicht mehr alleine sein", erzählt Katzler. Betreuungs- oder Pflegebedarf besteht bei der 79-Jährigen keiner. In ein Altersheim wollte sie nicht. "Das ist mir zu unpersönlich", erzählt sie. Zufällig stieß sie auf das Angebot der Senioren-WGs.

Bei einer Besichtigung in Liesing hat es sofort "Klick"gemacht. Die Senioren-WG gibt es seit 2019. "Hier hat es mir sofort gefallen. Die Atmosphäre war toll", so Katzler. Mittlerweile lebt sie bereits drei Jahre hier und teilt sich die 280 Quadratmeter große Wohnung mit Terasse aktuell mit drei weiteren Personen. Platz gäbe es darüber hinaus noch für zwei weitere Bewohner.

"Viele ältere Menschen wollen zwar eigenständig sein, aber trotzdem nicht alleine wohnen. In den Senioren-WGs wird dies ermöglicht“, erklärt Hermine Freitag, Leiterin der Senioren-WGs. Die Prämisse lautet, dass die Bewohner so weit wie möglich selbstständig sein sollen. Das Gemeinschaftliche steht im Vordergrund; trotzdem hat jeder einen Rückzugsort in seiner Wohneinheit.

Ein allgemeiner Heimnotruf steht zur Verfügung, sollte einmal etwas benötigt werden oder vorfallen. Zudem kommt wöchentlich eine Heimhelferin des Samariterbundes in die WG und bietet kreative Tätigkeiten an. Auch auf Ehrenamtliche wird gesetzt, die beispielsweise Feste mitorganisieren.

Wie es in jeder Wohngemeinschaft der Fall ist, muss man auf seine Mitbewohner Rücksicht nehmen. In der Liesinger Senioren-WG gelingt dies. Es herrscht eine harmonische Atmosphäre. "Wir feiern gemeinsam Geburtstage, tratschen und essen zusammen. Es ist wunderschön hier. Ich habe meinen kleinen Garten und kann ihn gestalten, wie es mir gefällt – das war mir wichtig", so Katzler.

Die Wohnung teilt sich auf in Wohnzimmer, Gemeinschaftsküche und Waschraum und die sechs Wohneinheiten mit jeweils eigenem Bad und WC. Die Zimmer sind zwischen 27 und 37 Quadratmeter groß. Auch ein Kellerabteil und eine Terrasse stehen zur Verfügung. Die Zimmer werden möbliert übergeben.

"Wir sehen, dass das Konzept funktioniert. Es gibt die Möglichkeit des Zusammenlebens, aber auch ausreichend Raum für die eigene Privatsphäre und die persönlichen Bedürfnisse. Auch für Angehörige älterer Personen ist es beruhigend, wenn sie wissen, ihre Liebsten leben nicht alleine", so Freitag.

In der Liesinger Senioren-WG haben sich Katzler, Schmid, Schieder und Hager gefunden. Sie alle sind sich einig: Hier möchten sie nicht so schnell wieder ausziehen. Einen Wunsch haben sie aber: "Wir möchten neue Mitbewohner bekommen und, dass die zwei leeren Zimmer wieder bewohnt sind."

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